„Ich glaube fest an Sie“ – Mut zur Psychotherapie

„Ich glaube fest an Sie“ – Mut zur Psychotherapie

Viele Menschen haben immer noch falsche Vorstellungen von Psychotherapie. Das sei nur was für „Verrückte“, für Menschen, die nicht mehr alle „Tassen im Schrank“ haben. Dabei kann Psychotherapie allen helfen, die aufgrund von Stress oder belastenden Lebensereignissen vermehrt an Ängsten, Erschöpfung, Traurigkeit oder mangelndem Selbstbewusstsein leiden. Auch bei körperlichen Symptomen wie Schmerzen, Unruhe, Schlafstörungen, Magenschmerzen, häufigen Infekten, nächtlichem Zähneknirschen, Tinnitus u.v.m. ist Psychotherapie sehr hilfreich. Psychotherapie bedeutet, sich Zeit zu nehmen und vorbehaltslos zuzuhören. Die Therapeutin hat ein offenes Ohr, fragt nach, ist interessiert. Therapie geht aber weit darüber hinaus. In der Verhaltenstherapie schauen wir ganz genau hin. Welche Gedanken tauchen in kritischen Situationen auf? Welche Gefühle? Wie verhält sich die Person? Und was folgt daraus? Viele Verhaltensweisen können kurzfristig entlasten, verstärken aber langfristig die Symptome. Wenn ich beispielsweise vermeide, unter Menschen zu gehen, weil ich dort Angst haben könnte, ist das kurzfristig der leichtere Weg, langfristig führt dies jedoch eher zu einer Zunahme der Ängste. Oder wenn ich mich mit einer depressiven Stimmung zurückziehe, Kontakte abbreche und meine Aktivitäten aufgebe, scheint das kurzfristig zu helfen, langfristig gerate ich jedoch in einen Teufelskreis aus fehlenden Erfolgsmomenten, Einsamkeit und ausgeprägter Freudlosigkeit.

Durch die Therapie können tieferliegende Themen zum Vorschein kommen. Viele Patienten erkennen, dass es ihnen an Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen mangelt, dass sie sich häufig besonders anstrengen, um Anerkennung von anderen zu erhalten, dass sie permanent getrieben sind und dennoch nie ankommen. Beruflich wie privat. Durch die Therapie können solche Grundmuster, die sich in der Regel bereits in der Kindheit gebildet haben und sich manchmal wie ein roter Faden durch das Leben ziehen, aufgedeckt werden. Die Psychotherapie hat viele Werkzeuge, um damit zu arbeiten. Beispiele sind Lebensrückblick mit Fotos oder Tagebücher, Lebenslinien, die Aufstellung der Familie oder innerer Anteile, ein Sonnentagebuch, Rollenspiele, Gedankenumstrukurierung, Expositionstraining, Genusstraining u.v.m.

In der Schematherapie beispielsweise wird konkret mit inneren Anteilen wie dem Antreiber und dem inneren Kind gearbeitet mithilfe von Imaginationen oder eines Stuhldialogs. Mithilfe dieser speziellen Methoden können wir Zugang zu tiefsitzenden Gefühlen finden, für die einem oft die Worte fehlen. Wir können uns mit dem inneren Kind, das für unsere Bedürfnisse, Sehnsüchte und Verletzungen steht, verbinden und uns darum kümmern.

Wir Therapeuten glauben fest an unsere Patienten und sind bemüht, dies von der ersten Stunde an zu vermitteln. Denn das ist es, was viele Patienten zu wenig in ihrem Leben erfahren haben. Wir sehen ihre Stärken und Ressourcen und versuchen, problematische Verhaltensweisen zu würdigen und durch freundliches Reflektieren zu verändern hin zu einem langfristig besseren Verhalten. Und genau das ist es, was manchmal Berge versetzt.

Wenn Sie sich für Psychotherapie interessieren können Sie sich im Rahmen sog. Sprechstundentermine bei einem Psychotherapeut unverbindlich beraten lassen, ob eine Psychotherapie indiziert ist und wie sie helfen kann. Leider wissen noch zu wenig Menschen, dass es dieses Einstiegsangebot gibt. Sie wissen nicht, wie Sie einen Psychotherapeut finden? Ihre Krankenkasse kann Ihnen eine Liste geben, Sie können auf der Seite der KV Ihre Postleitzahl eingeben: https://www.arztsuche-bw.de/ Sprechstundentermine können außerdem über die Terminservicestelle der KV vermittelt werden, einfach die 116117 wählen.

Ihre Claudia Jessen