Die Angst vor der Geburt aus Sicht der Mutter

Die Angst vor der Geburt aus Sicht der Mutter

Die Kaiserschnittrate in Deutschland ist weiterhin hoch und liegt bei ca. 31% (www.hebammenverband.de), medizinisch notwendig laut WHO ist eine Rate von ca. 10%. Ein wichtiger psychischer Faktor, der die hohe Rate begünstigt, spielt hierbei die Angst von werdenden Müttern vor der Geburt.

Entweder, weil sie bereits eine als traumatisch erlebte Geburt erlebt haben oder weil der Gedanke an den Geburtsvorgang oder auch die Zeit danach tiefsitzende Ängste auslöst. Manche Frauen zweifeln daran, die Stärke für den häufig langen und kräftezehrenden Geburtsprozess zu haben. Sie haben große Angst vor einem Kontrollverlust, vor Geburtsverletzungen und möglichen Folgeschäden oder auch davor, sich dem Partner und dem Krankenhauspersonal in einem hilflosen und „peinlichen“ Zustand zu zeigen. Manchen werdenden Müttern fehlt auch schlichtweg die Zeit, sich intensiv darauf vorzubereiten und die Voraussetzungen für eine selbstbestimmte und aktive Geburt zu schaffen. Das Aufwachsen in einer leistungsorientierten Gesellschaft und die Beeinflussung durch die Medien kann dazu führen, den Kontakt zur ureigenen natürlichen Weiblichkeit zu verlieren. Frauen möchten während der Schwangerschaft weiterhin gut aussehen, möchten die Kontrolle behalten und möchten nach der Geburt schnellstmöglich wieder schlank und fit sein und alles im Griff haben. Es gibt wenig Raum für die normalen Ängste und Sorgen rund um Schwangerschaft, Geburt und Muttersein und die damit einhergehenden Veränderungen. Für manche Frauen ist es ein Eingeständnis von Schwäche, offen darüber zu sprechen. Daher entscheiden sich einige Frauen bewusst für den vermeintlich einfacheren Weg eines Kaiserschnittes, um zumindest über die Geburt die Kontrolle zu behalten. Verstärkt wird dieser Trend durch den aktuellen Hebammenmangel sowie den Anreiz für Krankenhäuser, einen Kaiserschnitt durchzuführen, der mehr Geld einbringt als eine natürliche Geburt.

Dabei ist die Geburt in unseren Augen eine der tiefgreifensten und schönsten Erfahrungen, die eine Frau machen kann. Der weibliche Körper ist dazu geschaffen, Leben zu geben und zu gebähren. Dies kann eine wundervolle Selbstwertquelle darstellen. Und genau das können die meisten Frauen – wenn sie daran glauben. Es ist, wie Hebammen gerne sagen, eine bewusste Entscheidung, ob eine Frau ein Kind aktiv gebähren möchte oder ob sie passiv entbunden werden möchte. Für die Kinder selbst ist eine natürliche Geburt immer noch der beste Start ins Leben: ein Kaiserschnitt fördert Anpassungsstörungen, vermehrte Stillprobleme und Bindungsstörungen zwischen Mutter und Kind sowie eine verzögerte Entwicklung der Darmflora, außerdem ist die Wahrscheinlichkeit für Diabetes und Adipositas bei den Kindern erhöht.

Sie sind schwanger oder planen eine Schwangerschaft und kennen solche Gedanken und Sorgen? Sie fühlen sich teilweise überfordert mit dem, was nun auf sie zukommt? Sie wünschen sich eine natürliche Geburt aber zweifeln daran, ob sie es schaffen können? Auch in diesen Fällen kann eine psychologische Unterstützung sinnvoll sein. Behutsam können wir eine traumatisch erlebte Geburt nachbesprechen, können stark ausgeprägte Ängste und Sorgen vor der Geburt ansehen und Lösungswege im Umgang damit erarbeiten. Wir wollen Ihnen helfen, wieder Kontakt zu innerer Stärke und vor allem Zuversicht zu gewinnen und diese besondere Zeit der Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft zu genießen. Wir wollen ihnen helfen, den für sie passenden Weg zu finden – ob natürliche Geburt oder Wunschkaiserschnitt.

Auch verwandte Themen wie beispielsweise der Verlust eines Kindes während der Schwangerschaft, ein unerfüllter Kinderwunsch, postpartale Depressionen, fehlende Akzeptanz des eigenen Körpers vor und nach der Geburt oder die Sorge, keine gute Mutter zu sein, sind in unserer Praxis willkommen.